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Attila 8 Wochen

Ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin. Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns. Ich erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell, aber sie war oft krank und sehr dünn. Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern. Die meisten von ihnen waren plötzlich gestorben. Als sie mich von meiner Mutter wegnahmen, hatte ich furchtbare Angst und war so traurig. Meine Milchzähne waren kaum durchgestoßen und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht. Arme Mama, es ging ihr so schlecht. Die Menschen sagten, dass sie jetzt endlich Geld wollten und dass das Geschrei meiner Schwester und mir ihnen auf die Nerven gingen.
So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht. Wir kuschelten uns aneinander und fühlten wie wir beide zitterten, ohnmächtig vor Angst. Niemand kam, um uns zu trösten. All diese seltsamen Geräusche und erst noch die Gerüche - wir sind in einem „Petshop“, einem Laden, wo es viele verschiedene Tiere gibt. Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen. Wir hören auch das Wimmern von andern Welpen. Meine Schwester und ich drücken uns eng zusammen in dem kleinen Käfig. Manchmal kommen Menschen uns anschauen, oft ganz kleine Menschen, die sehr fröhlich aussehen, als wollten sie mit uns spielen. Tag um Tag verbringen wir in unserem kleinen Käfig.

 

Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch um uns zu begutachten. Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh. Oft hören wir sagen „oh, sind die süß, ich will eines“, aber dann gehen die Leute wieder fort. Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben. Ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt, wie das Leben aus dem dünnen Körperchen gewichen ist. Als sie sie am Morgen aus dem Käfig nehmen sagen sie, sie sei krank gewesen und ich sollte verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme. Niemand beachtet mein leises Weinen, als mein kleines Schwesterchen weggeworfen wird.
Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft ! Jetzt wird alles gut ! Es sind sehr nette Leute, die sich tatsächlich für MICH entschieden haben. Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf dabei und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen. Ihr Vater und Mutter sagen, ich sei ein ganz süßes und braves Hundchen. Ich heiße jetzt Lea. Ich darf meine neue Familie sogar abschlabbern, das ist wunderbar.
Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht, passen gut auf mich auf, geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe. Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen gefallen und nichts ist schöner als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen
. Erster Besuch beim Tierarzt. Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte. Ich bekam einige Spritzen. Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft und sagte, es wäre ok, dann entspannte ich mich. Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen, sie sahen ganz bestürzt aus. Ich hörte etwas von schweren Mängeln und von Dysplasie E und von Herz zwei. Er sprach von wilden Züchtern und dass meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien.
Ich habe nichts von alledem begriffen aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen. Jetzt bin ich sechs Monate alt. Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark, aber mir tut jede Bewegung schrecklich weh. Die Schmerzen gehen nie weg. Außerdem kriege ich gleich Atemnot, wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will. Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach nicht. Vater und Mutter sprechen über mich. Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen. In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt und immer hieß es „genetisch“ und „nichts machen“. Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen, möchte rennen und hüpfen. Es geht nicht.

 

Letzte Nacht war es schlimmer als je. Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen um zu trinken und nur noch schreien vor Schmerzen. Sie tragen mich ins Auto. Alle weinen. Sie sind so seltsam, was ist los ? War ich böse ? Sind sie am Ende böse auf mich ? Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich. Ach wenn nur diese Schmerzen aufhörten ! Ich kann nicht mal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchen ablecken aber wenigstens erreiche ich seine Hand.
Der Tisch beim Tierarzt ist kalt. Ich habe Angst. Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben. Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken. Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich, und ich empfinde etwas weniger Schmerzen. Das kleine Mädchen hält mich ganz sanft, ein kleiner Stich... Gottseidank, der Schmerz geht zurück. Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit. Ein Traum: ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen Wiese. Sie rufen mir zu, dass es dort keine Schmerzen gibt, nur Friede und Glück.
So sage ich meiner Menschenfamilie Aufwidersehen auf die einzige mir mögliche Weise: mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln. Viele glückliche Jahre wollte ich mit Euch verbringen, es hat nicht sein sollen. Statt dessen habe ich Euch so viel Kummer gemacht. Es tut mir leid, ich war halt nur eine Händlerware.

Lea ©1999 J. Ellis - bewilligte Uebersetzungvon E. Wittwer

 

Astrid mit Welpis
Ares im Rapsfeld

Eine kleine Geschichte:
Ein Geschäftsinhaber hatte ein Schild über seine Tür genagelt, darauf war zu lesen:
HUNDEBABYS ZU VERKAUFEN.
Ein kleiner Junge kam vorbei und sah das Schild. Da der Ladenbesitzer gerade an der Tür stand, fragte er ihn: "Was kosten die Hundebabys?" "Zwischen 50.- und 80.- Dollar" sagte der Mann. Der kleine Junge griff in seine Hosentasche und zog einige Münzen heraus. "Ich habe 2,37 Dollar" sagte er. "Darf ich sie mir bitte anschauen?" Der Ladenbesitzer lächelte und pfiff nach seiner Hündin. Fünf kleine Hundebabys stolperten hinter ihr her. Eines von ihnen war deutlich langsamer als die anderen und humpelte auffällig. "Was hat denn der Kleine da hinten?" fragte der Junge. Der Ladenbesitzer erklärte ihm, dass der Welpe einen Geburtsfehler hat und nie richtig laufen würde.
"Den möchte ich kaufen!" sagte der Junge. "Also den würde ich nicht nehmen, der wird nie ganz gesund." antwortete der Mann. "Aber wenn du ihn unbedingt willst, schenke ich ihn dir."
Da wurde der kleine Junge wütend. Er blickte dem Mann direkt in die Augen und sagte: "Ich möchte ihn nicht geschenkt haben. Dieser kleine Hund ist jeden Cent wert, genau so wie die anderen auch. Ich gebe ihnen meine 2,37 Dollar und werde ihnen jede Woche 1 Dollar bringen, bis er abbezahlt ist." Der Mann entgegnete nur: "Ich würde ihn wirklich nicht kaufen - er wird niemals in der Lage sein, mit dir zu toben wie die anderen." Da hob der Junge sein Hosenbein und sichtbar wurde eine Metallschiene, die sein verkrüppeltes Bein stützte. Liebevoll auf den Hund blickend sagte er: "Ach, ich renne selbst auch nicht gut und dieser kleine Hund wird jemanden brauchen, der ihn versteht!" Der Mann biss sich auf die Unterlippe. Tränen stiegen in seine Augen, er lächelte und sagte: "Mein Junge, ich hoffe und bete, dass jedes einzelne dieser Hundebabys einen Besitzer wie dich haben wird."

Nach Dan Clark, "Weathering the Storm"

 

Der Schwimmer
Er öffnet die Augen und sah sich um. Er war immer noch in diesem hellen, kalten Raum. Mit einem Seufzer schloss er die Augen wieder. Ihm war kalt. Er lag ja nur auf den kalten, weissen Fliesen. Er hatte keine Decke, die die Kälte, die aus dem Boden kam, aufhalten könnte. Sein Kopf schmerzte und seine Glieder taten ihm weh. Dann hörte er Stimmen. Sie riefen nach ihm. Sie riefen: „Nr. 1985 komm her!“ Er wusste das er gemeint war und so verzog er sich in eine Ecke des Käfigs, indem er schon so lange Zeit verbringen musste. Er erinnerte sich nicht mehr an früher. Die Schmerzen in seinem Kopf waren zu stark. Er sah den Mann, der ihn immer, jeden Tag aufs Neue, holte. Er hörte wie ein anderer Mann zu diesem sagte: „Wie lange brauchst du denn um den schwarzen Labrador herzubringen?“ „Er will nicht!“ entgegnete der, der ihm am nächsten stand. „Mach schon! Die anderen müssen auch noch drankommen! „Wie? Es gibt noch mehr von ihm? Er war nicht der einzige, der auf dem kalten Boden schlafen musste? Er war nicht der einzige, den sie jeden Tag holten? „Na komm schon Nr. 1985. Du weisst was mit dir passiert, stimmt’s? Komm schon Schwarzer oder willst du, dass ich Ärger bekomme?“ Er wusste, dass er mitgehen musste. Er konnte sich nicht wehren. Zu oft hatte er schon versucht zu entkommen und jedes Mal, fingen sie ihn wieder. So ging er mit dem Mann, der ihm während des Laufens am Ohr kraulte. Er ging voraus, denn er wusste wohin sie ihn bringen würden. Vor dem grossen Wasserbecken blieb er stehen und schaute sich um.
Da kamen sie. Fünf Männer in weissen Kitteln mit Schreibtafeln und Stiften in den Händen. Er setzt sich und wartete bis sie bei ihm wahren und ihm befahlen in das Becken zu steigen. Er tat wie ihm geheissen wurde und kletterte hinein. Dort wartete er bis man ihn am Halsband an eine Stange gebunden hatte, die in das Becken hinein reichte. Dann spürte er wie der Boden unter seinen Füssen sich bewegte und das Wasser um ihn herum immer höher stieg. Ruhig wartete er bis es so hoch war, dass er schwimmen musste. Er kannte das alles ja schon. Er schwamm. Ruhig und gelassen immer im Kreis, denn die Stange an seinem Hals erlaubte ihm nicht an den Wänden hinaufzuklettern. So schwamm er wie immer. Er wusste, dass es bald enden würde. Und so schwamm er immer weiter. Er spürte, wie er langsam schwächer wurde. Sein Kopf schmerzte und seine Läufe taten ihm weh. Doch er schwamm. Er schwamm bis er seinen Fang kaum noch über Wasser halten konnte. Da gab er auf. Und stoppte. Er sank tief in das Wasser hinab. Früher hatte er versucht wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen, doch er wusste, dass sie ihn wieder rausholen würden. So auch diesmal. Sie zogen ihn aus dem Wasser. Der Mann, der ihn aus seinem Käfig geholt hatte, nahm ein Tuch und trocknete ihm etwas das Fell. Er hörte wie ein Mann sagte: „Er hat sich verbessert. 6 Stunden, 39 Minuten und 12 Sekunden. Er ist sogar besser als der Retriever.“ Der Mann trug ihn zurück in den Käfig. Erst als das Licht in dem Raum aus war, erwachte er wieder. Sein Fell war trocken und ihm war kalt. Langsam versuchte er sich aufzurichten. Da fiel ihm auf, dass diesmal etwas anders war an seinem Käfig. Die Tür stand etwas offen. Mit dem Fang schob er die Tür auf und schlich sich zum Lüftungsschacht. Er wusste, wenn er bis dahin gelangen würde, dann wäre er so gut wie frei. Leider hatten sie ihn kurz davor immer einfangen können. Diesmal jedoch gelang es ihm bis in den Schacht zu kommen. Leise schlich er im Labyrinth der Lüftung entlang. Nach einer Weile bleib er stehen. Er musste sich ausruhen. Sein Kopf schmerzte wieder. Er leckte sich seine Pfoten und schlief ein. Er erwachte weil ihm ein kühler Wind um die Ohren fegte. Er lief weiter.

 

ist das klasse
Sandro im Wald
Sandro im Wasser

Schnuppernd suchte er sich seinen Weg. Immer dem Wind nach. Und er kam an sein Ziel. Es war hell dort draussen. Mit einem Satz sprang er aus dem Lüftungsschacht. Wie es sich anfühlte Sand unter den Pfoten zu haben. Er genoss es einen Augenblick und lief dann los. Er kam zu einem hohen Zaun. Überklettern konnte er ihn nicht. Also blieb nur die Möglichkeit unten durch. So begann er zu buddeln. Da hörte er eine Sirene. Er sah sich um. Sie kamen aus dem Haus, aus dem er gerade geflüchtet war. Er buddelte schneller und da war das Loch gross genug um sich hindurch zu quetschen. Auf der anderen Seite des Zaunes war ein grosser Wald. Er lief in den Wald und versteckte sich in einem alten Dachsbau. Dort schlief er bis zur Nacht. Als er erwachte, war alles um ihn herum dunkel. Er setzt sich vor die Höhle und witterte eine Hasenspur. Er folgte ihr, denn sie war sehr interessant für ihn. Er kannte solche Gerüche nicht. Am Ende der Fährte lag ein Hasenbau. Er war leer und so zog er weiter. Wohin wusste er nicht. Hauptsache weg von dort.
Am Morgen erreichte er den Waldrand. Er sah über ein grosses Feld direkt zu einem Haus. Wo Häuser sind dort sind auch Menschen. Und Menschen sollte man lieber aus dem Weg gehen. Aber vielleicht hatten sie etwas zu fressen für ihn. So trottete er langsam zu dem Haus. Vor dem Haus spielte ein kleiner Mensch mit einem runden Ding. Er sah eine Weile zu und ging dann auf den Mensch zu. Als dieser ihn sah, stellte er sein Spielen ein. Er setzt sich auf den Boden und rief: „Komm her Hundi!“ Na komm schon, ich tue dir doch nichts. Komm her, komm!“ Er ging zu dem kleinen Menschen. Als er dort war, strich dieser ihm über den Kopf. Erschrocken zuckte er zusammen. Das kannte er. Danach begannen immer die Qualen. Doch diesmal ging der Mensch weg und kam mit einer Schüssel Milch zurück. „Hier trink das. Du bist sicher hungrig. Schau mal was ich hier habe.“ Der Junge hielt eine Leberwurststulle in der Hand und zeigte sie dem Hund. Dieser nahm sie vorsichtig und frass sie genüsslich. Zum Dank schleckte er dem Jungen die Hand. In diesem Moment kam der Vater des Jungen aus dem Haus und sah das Geschehen. Er brüllte, der Junge solle weggehen und das er den Hund erschiessen würde. Erschrocken rannte der Hund davon. Nun wusste er das viele Menschen böse sind. Aber nicht alle!
Er rannte über eine grosse Wiese. Plötzlich vernahm er ein ohrenbetäubendes Geräusch. Erschrocken suchte er Deckung, doch er fand keine auf dieser grossen Wiese. Da war plötzlich ein riesiger Vogel über ihm, dessen Flügel im Kreis rotierten und der kleine Steine spuckte, die ihn nur knapp verfehlten. So lief er und lief, so schnell ihn seine Pfoten tragen konnten. Nach einiger Zeit der Flucht kam er an ein riesiges Becken mit Wasser. Nun wusste er Bescheid. Die Männer in den weissen Kitteln hatten ihn gefunden und stellten ihn abermals auf die Probe. So stieg er in das salzige Wasser des Meeres. Ruhig lief er bis es so hoch war, dass er schwimmen musste. Er kannte das alles ja schon. Er schwamm. Ruhig und gelassen immer geradeaus. Diesmal war keine Stange an seinem Hals. Diesmal gab es auch keine Wände, an denen er hätte hoch klettern können. So schwamm er wie immer. Er wusste, dass es bald enden würde. Und so schwamm er immer weiter. Nach einer Ewigkeit spürte er, wie er langsam schwächer wurde. Wieder schmerzte sein Kopf und seine Läufe taten ihm weh. Doch er schwamm. Er schwamm bis er seinen Fang kaum noch über Wasser halten konnte. Da gab er auf. Und stoppte. Diesmal holten sie ihn nicht heraus. Diesmal sank er und er versuchte nicht wieder an die Oberfläche zu gelangen, denn dort warteten sie. Und so sank er immer tiefer bis zum Grund, doch das spürte er nicht mehr.

 

Der kleine Hund liebte seinen Herrn über alles
Dieser riesengroße Mensch war sein Abgott. Er gab ihm Futter und Wasser und er schien ihn auch zu lieben; ganz sicher, denn er streichelte ihn zärtlich und redete mit ihm. Er gab ihm einen Platz in seiner Wohnung, den er gegen jeden anderen noch so großen Hund bis zum letzten verteidigen würde! Das ging so ein ganzes Jahr lang. Dann wurden die Liebkosungen des Menschen spärlicher. Er schien immer unruhiger zu werden. Aber da er niemals vergaß, seinem kleinen Freund das Futter hinzustellen, machte der sich keine Sorgen. Ab und zu wurde er auch noch gestreichelt. Menschen waren und dachten eben anders als Hunde! So sprang er ihm immer wieder voller Freude entgegen, ja er schrie förmlich vor Freude, wenn er hörte, daß der Riesengroße nach Hause kam, der ihm leicht auf den Rücken klopfte und beruhigend, wenn auch etwas abwesend sagte: »Ja, ja! Ist ja gut!«
Dann kam die Urlaubszeit. Die erste im Leben des kleinen Hundes, der vor Aufregung leise jaulend neben seinen Herrn in das Auto gesetzt wurde, das er schon kannte. Er versuchte, sich möglichst nahe an den geliebten Menschen heranzudrängen, aber der schob ihn so unsanft zurück, daß der kleine Hund bestürzt zu ihm aufsah. Er ahnte nicht, daß sein Herr daran dachte, daß er wahrscheinlich überall nur Unannehmlichkeiten mit dem Tier haben und nie ganz frei sein würde. Er konnte ihn sicher nicht allein in dem fremden Hotelzimmer lassen, und er konnte und wollte ihn auch nicht dauernd mit sich herumschleppen.
Der kleine Hund, der verunsichert vorsichtig mit der Pfote nach ihm tappte, erschien ihm auch längst nicht mehr so nett, wie damals als er ihn in einem Schaufenster sah und kurz entschlossen kaufte, weil er sich gerade sehr einsam fühlte.
Aber im Urlaub wollte er Bekanntschaften machen. Er wollte, nun ja, was halt alle im Urlaub wollen. Der kleine Hund war plötzlich eine Last für ihn, und er begann zu überlegen, wie er ihn loswerden könnte.
Als eine gut übersichtliche Strecke kam und er ganz sicher war, daß vor und hinter ihm niemand fuhr, faßte er den kleinen Freund plötzlich im Genick, der ihn zutraulich ansah und versuchte, rasch noch seine Hand zärtlich zu lecken, warf ihn kurzerhand aus dem Wagen und fuhr davon, ohne sich noch einmal umzusehen.
Der kleine Hund überschlug sich, aber er hatte keine Verletzung davongetragen. Er stand da, sah dem Wagen nach, der hinter einer dünnen Staubwolke immer kleiner wurde, und verstand die Welt nicht mehr.
Sicher würde der Wagen gleich wiederkommen. Sicher war das nur ein Versehen. Vielleicht ein etwas grober Scherz wie damals, als er ihn in ein tiefes Wasser geworfen hatte, um zu sehen, ob er schwimmen könne. Sicher würde er wieder besonders gestreichelt werden. Er würde warten, wie er schon so oft gewartet hatte. Er setzte sich an den Rasenrand der Straße. Er war nicht mehr der Jüngste, was ihm sein Herr nicht angesehen hatte. Seine Augen waren bereits etwas getrübt, aber er wußte, daß der Wagen, auf den er wartete, grün war. Manilagrün, wie die Menschen das nannten. Jedesmal, wenn ein grüner Fleck in der Ferne auftauchte, richtete sich der kleine Hund auf, spitzte die Ohren und wedelte unsicher mit dem Schwanz. Er lief ganz nah an die Fahrbahn. Sicher würde dieser Wagen, den er nur etwas verschwommen sehen konnte, halten und er würde schnell hineinspringen und alles würde wieder so sein wie früher.
Aber der Wagen fuhr vorbei. Und der nächste grüne Wagen auch. Der kleine Hund war verzweifelt. Er winselte leise. Was sollte aus ihm werden? Er hatte doch niemanden auf dieser schrecklich großen, fremden Welt außer diesem Menschen, der in dem grünen Wagen davongefahren war. Es kamen noch zehn grüne Wagen, es kamen zwanzig verschwommen grüne Wagen. Der kleine Hund wurde immer verzweifelter. Er lief so nahe wie möglich an die Fahrbahn heran und dann plötzlich wußte er es: Das war sicher immer derselbe Wagen. Er fuhr nur immer wieder an ihm vorbei.
Wenn der nächste grüne Wagen kam, würde er einfach hineinspringen und dann würde alles wieder gut sein. Er spannte seine müden Muskeln, duckte sich, als der nächste verschwommen grüne Wagen heranbrauste, und sprang. Den Aufprall spürte er nur ganz kurz. Dann wurde er auf die Fahrbahn geschleudert und der nächste Wagen machte einen zottigen, blutigen Fleck aus ihm. Einen Fleck, der doppelt so groß war wie der kleine Hund. Der tote Hund sah jetzt viel größer aus, so wie Tote für uns immer größer werden, wenn man nichts mehr an ihnen gutmachen kann.

Geschichte kam per Mail, Autor leider unbekannt!

Wie konntest Du nur?
 Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du Deinen Finger und fragtest mich: "Wie konntest Du nur?" Aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen. Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte nicht schöner sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, den "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete.
Allmählich fingst du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen - und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du dich verliebtest. Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" - trotzdem hiess ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich, weil du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern. Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen weh tun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe". Als sie aber grösser waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung - denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre.
Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir zum Dorn im Auge.
Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in einer Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie.
Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest: "Ich weiss, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet - auch mit "Stammbaum". Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa, bitte! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem zum Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen. Nachdem du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?"
Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das Du es bist - dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei, oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, dass ich nicht aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.
Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.
Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte. Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?"
Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so leid". Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich alleine gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort. Um mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt. Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten.
Möge Dir ein jeder in Deinem Leben soviel Loyalität zeigen.
Diese Geschichte soll ein kleiner Hinweis dafür sein, dass die verbreitet Vorstellung von Tieren als "entsorgbar" unbedingt geändert werden muss. Sie soll uns vor Augen halten, dass der Entschluss, ein Tier in eine Familie aufzunehmen, eine Verpflichtung bedeutet, welche für die Lebensdauer des Tieres anhält.

 

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