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Seitenaufnahme Gustav

Die Vorstellung allein, dass alle Hunderassen - der struppige Bastard wie der reinrassige Zuchtchampion, der winzige Chihuahua und die riesige Deutsche Dogge - auf eine Stammart zurückzuführen und mehr oder weniger domestizierte Wölfe sind, weckt auch heute noch bei so manchem Hundehalter Unbehagen.
Die Menschen wissen immer noch ob der Horrorgeschichten, die sich über den wildlebenden Wolf gedreht haben. Er ist als Bestie und Menschenfresser, als Werwolf und als der “böse Wolf” in die Literatur eingegangen. Erst in den letzten Jahrzehnten findet man in neuzeitlichen Studien eine unvoreingenommene Einstellung gegenüber diesen faszinierenden Geschöpfen. Ich kann gut verstehen, dass sich die Hundehalter teilweise weigern, in dem freundlichen und “harmlosen” Gefährten, der sich auf den Teppich zusammenrollt und mit vertrauensvollem Blick zu dem Menschen aufschaut, ein Mitglied der wehrhaften Gattung Wolf zu sehen. Aber diese Tatsache müssen wir akzeptieren, nicht nur, weil sie unanfechtbar ist, sondern weil wir allein auf diese Weise das Verhalten des Hundes verstehen lernen und begreifen.

Alle Hunde zählen trotz individueller Unterschiede, zu ein und derselben Spezies. Der winzige Yorkshire Terrier mag neben dem 120 Kilo schwerem Bernhardiner oder der mehrfach größeren DD wie eine Miniaturausgabe wirken, aber unter ihrem Fell sind sie Brüder/Schwestern. Jeder, der einmal einen kleinen Hund hatte, wird das bestätigen. Der Winzling weiß sehr wohl um seine wölfische Abstammung und hat das Verhaltensrepertoire seines wehrhaften Vorfahren geerbt. So mancher Postbote wurde mit wütendem Gekläff oder einem Knurren empfangen, weil er es wagte, sich seinem Territorium zu nähern.

Wenn die sechs Millionen Hunde in Großbritannien, die vierzig Millionen in den USA und die unzähligen Millionen rund um den Erdball alle zu ein und derselben Spezies gehören, warum weisen sie dann so unterschiedliche Merkmalsausprägungen auf? Die Antwort ist darin zu suchen, dass sich beim Hund als dem ältesten domestizierten Tier durch gezielte Zuchtwahl des Menschen im Laufe der Zeit bestimmte Phänotypen herausgebildet haben. Unbeherrschbare, übernervöse und aggressive wurden Exemplfare wurden ausgesondert. Es wurden Hunde mit ansprechendem Aussehen bevorzugt, sie sollten sanft anpassungsfähig und leicht zu halten sein. War das Zuchtziel Schnelligkeit, achtete man auf lange Beine und einen stromlinienförmigen Körper; bei Züchtung auf Spürsinn sollten die Beine kürzer und der Rumpf in Bodennähe sein; bei Schoßhunden waren kleinere, leichte Hunde gewünscht, die mühelos hochgehoben und getragen werden konnten. All diese Veränderungen gehen auf eine selektive Zuchtwahl zurück. 
 

DSC_0998 DSC_0997 omega Debbie fein gemacht

Es gibt heute drei Theorien über die Abstammung der Haushunde. Die eine stützt sich auf die These des sogenannten “fehlenden Bindegliedes”. Dieser nicht bekannte Vorfahre soll eine spezifische Wildform, eine dem heutigen Dingo ähnliche Hundeart gewesen sein, der in grauer Vorzeit vom Menschen ausgerottet wurde. Aus der Perspektive der selktiven Zuchtwahl ergibt diese Behauptung einen Sinn, den sobald der Mensch bestimmte “erwünschte” Merkmalsausprägungen fixiert hatte, war er bemüht, die “unerwünschten” wildlebenden Verwandten auszurotten, um eine Vermischung zu verhindern. Auf diese Weise lässt sich auch die frappante Ähnlichkeit in der Gruppe ehemals domestizierter Hunde rund um den Erdball aufweisen, die verwilderten und sich zu Freß- und Paarungsgemeinschaften zusammengeschlossen haben. Die Dingos in Australien, die Singing Dogs in Neu Guinea, das Heer herrenloser Hunde in Asien, Lateinamerka und im Mittleren Osten zeigen auffällige Übereinstimmungen in Körperbau und äußerer Gestalt. Es ist, als wollten sie uns ständig daran erinnern, wie ihre inzwischen ausgerotteten Vorfahren aussahen. Trotz dieser lebenden Beweise konnte sich die Theorie vom fehlenden Bindeglied nicht recht durchsetzen.

Eine zweite Theorie besagt, dass unsere heutigen Hunderassen von zwei verschiedenen Wildtierarten abstammen. Konrad Lorenz hat diese Ansicht in seinem Buch “
So kam der Mensch auf den Hund” verteten.
Neuere Forschungen haben aber gezeigt, dass die Theorie von den “zwei Stammarten” nicht haltbar ist. In umfangreichen Studien wurde nachgewiesen, dass sich der Schakal sowohl vom Hund als auch vom Wolf erheblich unterscheidet, während Hund und Wolf erstaunliche, wissenschaftlich belegbare Übereinstimmungen in fast allen Merkmalsausprägungen zeigen. (viel dazu beigetragen hat
Günter Boch und Dr. Dorit Feddersen-Petersen)

Heute hat sich allgemein die dritte Theorie durchgesetzt, die besagt, dass sich alle modernen Haushund-Rassen im Verlauf einer Periode von 8000 bis 12 000 Jahren aus einer einzigen Spezies entwickelt haben: dem Wolf! Vergleichende Studien der Anatomie und des Verhaltens während der letzten Jahrzehnte haben diese Schlussfolgerungen eindeutig bestätigt. Oft wird sich die Frage gestellt, warum verwilderte Hunde dem Wolf im Aussehen und Verhalten nicht ähnlich sind. Die Frage basiert auf einem Missverständnis: den wenigsten scheint bekannt zu sein, welche Unterart von canis lupus für die stammesgeschichtliche Entwicklung des Haushundes eine Schlüsselrolle spielte. In Filmen oder im Zoo sehen wir hauptsächlich russische, skandinavische oder kanadische Wölfe, riesige Tiere mit dickem Pelz, der sie befähigt, auch in den kältesten geographischen Regionen zu überleben. Es ist unwahrscheinlich, dass sie die Ahnen unserer Haushunde sind. Als Stammväter gelten vielmehr die kleinen, weniger kompakten asiatischen Wölfe, die einen dünneren Pelz besitzen und in wärmeren Klimazonen leben. Dieser Wolfstypus weist mehr Ähnlichkeit mit den heutigen verwilderten Hunden auf und legt die Vermutung nahe, dass hier die Ahnenreihe beginnt.

weißer Wolf
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Naturagility

Beobachtungen an wildlebenden Wolfsrudeln haben uns wertvolle Erkenntnisse über die wahre Natur dieser “marodierenden Monster” vermittelt. Dabei hat man festgestellt, dass diese Spezies über eine eindrucksvolle soziale Organisationsform verfügt, in der das Zusammenleben durch eine strikte Rangordung geregelt wird und in der “Selbstbeschränkung” und gegenseitige Hilfeleistung zum Verhaltensrepertoire gehören. Der Kampftrieb wird in Gemeinschaftsaktionen ausgelebt, beispielsweise während der Beutejagd oder bei der Verteidigung des Territoriums; Aggressionen gegen die Mitglieder des eigenen Rudels sind selten beobachtet worden (Günter Bloch s. o. )

Mit Sicherheit sind die Ähnlichkeiten im Sozialverhalten von prähistorischen Menschen und Wölfen für das enge Band verantwortlich, das sich in Urzeiten zwischen ihnen entwickelt hat. Beide Spezies lebten in Herden, die ihr Revier verteidigen mussten. Beide unternahmen vom Zentrum ihres Territoriums aus Beutezüge, die der Nahrungsbeschaffenheit dienten. Beide schlossen sich zu Zweckverbänden zusammen, um Beute zu jagen, die größer war als sie selbst. Beide waren listenreiche Jäger, die mit Umzingelungstaktiken und Angriffen aus dem Hinterhalt arbeiteten. Beide Spezies bevorzugten eine monogame Partnerschaft, und bei beiden sorgte die Gemeinschaft für die Aufzucht der Nachkommen. Beide kommunizierten über ein umfangreiches Repertoire an Körpersignalen, zu denen Mimik und Gestik gehörten. Womit ich zum Thema komme... l

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Mona

Warum bellen Hunde?
Ein Hund der bellt ist nicht unbedingt angriffslustig. Die Laute, die er von sich gibt, sind vielleicht direkt auf sie gemünzt, signalisieren aber nicht zwangsläufig eine Bedrohung, sondern dienen vielmehr dazu, die soziale Bezugsgruppe - auch die menschliche -, zu der er sich zählt, zu alarmieren.
Die Botschaft, die der Hund mit seinem Bellen vermittelt, lautet: “Achtung! Aufgepasst! Hier geht etwas Ungewöhnliches vor!” Bei wildlebenden Hunden hat dieses Signal zweifache Wirkung: die Welpen werden dadurch veranlasst, Schutz zu suchen und sich zu verstecken, und die erwachsenen Hunde, sich auf eine Gemeinschaftsaktion vorzubereiten. Der Mensch würde in solch einen Fall zu Glockengeläut, Horn oder Gong greifen, um anzuzeigen, dass sich jemand der “Feste” nähert. Das Signal gibt keinen Aufschluss darüber, ob es sich bei dem Ankommenden um Freund oder Feind handelt, aber es bewirkt, dass die nötigen Vorkehrungen getroffen werden. 
Sobald der Besucher identifiziert worden ist, folgt auf das Bellen entweder eine freundliche Begrüßungszeremonie oder ein Angriff.
Lautäußerungen sind im wesentlichen Anzeichen für einen Konflikt oder eine Frustration. Die Tatsache, dass sie häufig mit einem Offensivdrohen gekoppelt sind, zeigt, dass selbst die angriffslustigsten Caniden Furcht kennen. Der absolut lautlose, offensive Angriff, der für den Polizeihund typisch ist, kommt jedoch weit seltener vor als das Angriffsdrohen, das von einem kehligen Grollen und Zähneblecken begleitet wird. Hierbei werden die Lippen zurückgezogen und das Gebiss entblößt - eine Mimik, die hochgradige Aggressivität gemischt mit ein wenig Furcht signalisiert. Bei jedem noch so kleinen Anflug von Angst verwandelt sich der lautlose Angriff in ein solches Drohverhalten. Mit Hunden, die so reagieren, ist nicht zu spaßen. Der Kampftrieb ist immer noch viel stärker als der Fluchttrieb. Zähnebleckende Hunde sind der Alptraum eines jeden Menschen!!

Die nächste Stufe in der Skala des Ausdrucksverhalten, die ein höheres Mass an Furcht signalisiert, ist das Knurren. Beim Knurren ist die Angst vielleicht größer als beim Zähnefletschen, aber da noch immer ausreichend Aggression vorhanden ist, kann das Abwehrdrohen jederzeit in einen offenen Angriff übergehen.
Wenn das reine Angriffsdrohen weniger ausgeprägt ist und die Furcht Oberhand gewinnt, wechseln sich Knurren und Bellen ab. Das Knurren wird plötzlich zu einem lauten Gebell ausgedehnt. Diese Sequenz des Knurrgebells wird mehrmals wiederholt. Die Botschaft, die der Hund damit übermittelt, lautet: Ich möchte dich am liebsten angreifen (Knurren), aber hole wohl besser Verstärkung (Bellen).
Wenn im Hirn des Hundes der Angstimpuls gegenüber der Angriffslust überwiegt, weicht das Knurren einem lauten, wiederholten Bellen, das so lange fortgesetzt wird, bis das auslösende Element verschwunden ist oder die menschliche Familie der Ursache auf den Grund geht.

Gustav nimmt ein Schlammbad

Warum wälzen sich Hunde manchmal im Dreck?
Hundehalter, die meist großen Wert auf die Reinlichkeit ihrer Hunde legen, treibt das Verhalten ihres Vierbeiners natürlich auf die Palme. Die lieben Hundis wälzen sich in halbverweste Kadaver, Kuhfladen, Pferdeäpfel und in den dreckigsten Pfützen, die schon nach Eisen “stinken”.
Behauptet wurde, dass der Hund versuche damit, die vorhandenen Duftmarkierungen durch die eigenen Duftmarke zu überlagern. Diese Interpretation stützt sich auf die Beobachtung, dass Hunde, die an bestimmten Punkten eines Reviers eine fremde Markierung entdecken, ihre eigene Duftmarke exakt über der ihres Vorgängers anbringen.
Die Erklärung enthält jedoch einen Denkfehler. Der persönliche Duft, den der Hund hinterlässt, wenn er sich an irgendeinem Objekt reibt, ist wesentlich schwächer als der durch die Ausscheidung seines Kots und Urins entstandene. Die Substanzen, in denen sich der Hund suhlt, haben einen besonders starken Eigengeruch, den er durch die entsprechende Menge des eigenen Urins oder Kots viel besser überdecken könnte.

Eine plausible Erklärung ist, dass Hunde den Geruch des Objektes nicht überdecken, sondern das genaue Gegenteil damit erreichen wollen. Wenn sie sich im Kuhfladen oder anderen Tierexkrementen wälzen, nimmt ihr Fell den Fremdgeruch an, der eine perfekte Tarnung, beispielsweise bei der Jagd , darstellt. In einer anderen Erklärung heißt es, dass Hunde, die sich in fremden Düften wälzen, anderen Artgenossen spezifische Informationen übermitteln wollen. Wenn sie den Geruch der Exkremente angenommen haben und mit anderen Hunden zusammentreffen, teilen sie ihnen dadurch mit, dass sie einen wertvollen Fund gemacht haben, und animieren die Artgenossen so zu gemeinsamen Jagd. Mit Sicherheit ist ein Hund, dem der stinkige Geruch anhaftet, für sein caniden Freunde äußerst interessant, nicht so sehr allerdings für seine menschlichen Besitzer. 

Bald folgt mehr!

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