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Bandscheibenprobleme
Bandscheibenbeschwerden kommen vorwiegend bei Rassen mit langem Rücken (Dackel, Basset, Bracke, Welsh-Corgie, etc. ) vor. Es sind aber auch andere, nämlich die so genannten chondrodystrophischen Rassen wie, Pudel, Schnauzer, Pekinese oder Spaniel gefährdet. Bei diesen Rassen kommt es öfters zu einem frühen Sprödewerden und Austrocknen von Knorpelgewebe (Chondrodystrophie), was dann meist schon im Alter von fünf bis sieben Jahren zu Beschwerden führen kann.
Diese Form der Erkrankung tritt bei anderen Rassen im Normalfall erst durch eine natürliche Abnutzung im höheren Alter von etwa zehn Jahren auf.
Bandscheibenvorfall
Durch eine stärkere, übermäßige Belastung, z. B. Toben, Springen aus großer Höhe oder auch einen Unfall, kommt es zur Quetschung der Bandscheibe. Der äußere Faserknorpelmantel kann dabei reißen, so dass der weiche, innere Kern in die Umgebung austritt. Je nach der Menge des ausgetretenen Materials spricht man von Teil- oder Totalvorfall der Bandscheibe. Die ausgetretene Masse drückt auf das benachbarte Gewebe, das Rückenmark und die bei jedem Bandscheibenabschnitt austretenden Rückenmarksnerven. Durch den Druck entstehen nicht nur starke Schmerzen, sondern auch Schwellungen und Entzündungen, die die Beschwerden vergrößern. Bei einem Totalvorfall einer Bandscheibe, dem sogenannten “Blow out”, kommt es innerhalb von Stunden zu einer Art Querschnittslähmung, die anfangs äußerst schmerzhaft ist. Als Auslöser dieser Beschwerden ist die Rückenmuskulatur von ganz großer Bedeutung. Eine kalte, verspannte und untrainierte Rückenmuskulatur ist verkrampft und stabilisiert daher die Wirbelsäule kaum. Das begünstigt einen Bandscheibenvorfall. Deshalb kann man auch beim Hund durch gezieltes Rückenmuskeltraining - selbst nach einem Bandscheibenvorfall - weiteren Beschwerden gezielt vorbeugen. 
Therapie bei Bandscheibenbeschwerden
Die Wirbelsäule muss absolut ruhig gestellt werden. Der Hund darf nur zur Verrichtung seines Geschäfts nach draußen. Er sollte sogar zu einer Wiese getragen werden. Auch sollte er keinerlei Anstrengungen beim Fressen und Trinken haben. Die Wirbelsäule darf kaum bewegt werden. Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente wirken in leichteren Fällen Wunder. Dafür werden Schmerzmittel zusammen mit Cortison eingesetzt. Diese Kombination wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern hat auch eine entzündungshemmende, ödemabschwellende und fiebersenkende Wirkung, die auch zur Heilung beiträgt.
Bei stärkeren Lähmungssymptomen werden die Ödeme, die sich im Bereich des Bandscheibenvorfalls bilden, durch entwässernde Medikamente und Infusionen ausgeschwemmt.

 

Bandscheibenvorfall

Symptome eines Bandscheibenvorfalls
° Plötzliches, unmotiviertes Aufjaulen beim Toben, Springen oder auch beim Anfassen oder Anheben. Der
  ganze Körper ist vor allem vom Hals bis zum Schwanz verspannt und reagiert auf Berührung extrem
  empfindlich
° Bei Vorfällen im Halsbereich wirkt der Hals verkrampft, die Vorderbeine knicken ein oder sind steif
  gestreckt, dabei zeigt die Hinterhand eher eine schlaffe Lähmung.
° Bei Bandscheibenproblemen im Bereich der Lendenwirbel kommt es zu einem aufgekrümmten Rücken,
 staksigem, steifen Gang in der Hinterhand oder stark gestreckten Beinen, die sehr schmerzhaft verspannt
 sind.
° Bei einem Totalvorfall kommt es innerhalb von Stunden bis zu einem Tag nach anfänglicher Verkrampfung
 zu einer schlaffen Lähmung   der Hinterhand. Wenn nicht nur die Bewegungsfähigkeit (Motorik) fehlt,
 sondern auch die Schmerzempfindung (Sensibilität) nachlässt   oder verschwindet, muss der Patient
 innerhalb von 48 Stunden operiert werden.

 

Vorbeugung von Bandscheibenbeschwerden
Extreme Belastungen sind zu vermeiden. Ausgelassenes Toben, Hochspringen und vor allem Springen aus größeren Höhen sind tabu! Es ist aber falsch, den Hund zur Vorbeuge von Bandscheibenerkrankungen nur noch an der Leine zu führen. Im Gegenteil sollten Sie mit ihm bewusst trainieren und viel spazieren und schwimmen (Voraussetzung Ihr Hund geht gerne schwimmen) gehen. Wenn Sie ihm beim Spiel in ein Apportel beißen lassen und dieses Hochheben, entspricht dies einer Dehnungsübung (Stretching). Das entlastet wie beim Menschen die Bandscheiben und stärkt die Rückmuskulatur

 

Wie behandelt man einen Bandscheibenvorfall, wann muß mein Hund operiert werden?

Bitte überlassen Sie generell Ihrem Tierarzt die Entscheidung, ob Ihr Hund operiert werden muß oder nicht. Jeder Fall stellt sich durch seine Vorgeschichte und Art der Symptome anders dar und ist somit einzigartig. Es ist sinnlos, Vergleiche mit früheren Wirbelsäulenproblemen des gleichen Tieres, mit Hunden von Bekannten, Freunden etc., oder sogar mit der Humanmedizin zu ziehen. Anhand der klinisch-neurologischen Untersuchung kann man die Patienten grob in drei Gruppen einteilen:  
1. Dominierende Schmerzsymptomatik und keine oder milden Lähmungserscheinungen: Diese Patienten können konservativ, d.h. mit Medikamenten und Ruhe behandelt werden. Entscheidend ist die strikte Schonung des Patienten, im Idealfall wären dies drei Wochen Boxenruhe(!). Ruhe ist auch gerade dann nötig, wenn gleichzeitig schmerzstillende Medikamente und/oder Cortison gegeben werden. Selbstverständlich fühlen sich die Hunde besser, möchten wieder Laufen und Springen („die Spritze des Tierarztes hat sehr gut geholfen“), aber die natürliche Schutzfunktion des Schmerzes ist ausgeschaltet und eine bis dato nur leicht vorgeschädigte oder vorgewölbte Bandscheibe könnte jetzt ganz vorfallen. Eine Schmerztherapie beinhaltet also durchaus das Risiko, die Situation wesentlich zu verschlechtern, wenn der Patient nicht absolut ruhig gehalten wird! Hilft die konservative Behandlung auf Dauer nicht, d.h. die Schmerzen bleiben oder kommen anfallsweise immer wieder, so müssen die Patienten schließlich doch einer Operation zugeführt werden.
2. Deutliche Lähmungserscheinungen mit erhaltener Schmerzempfindung: kein/geringes Stehvermögen, kein/geringes Gehvermögen, Gliedmaßen werden nachgeschliffen, Harn- und Kot werden unkontrolliert abgesetzt, starke Schmerzen, verspannter Bauch. Diese Patienten müssen unbedingt operiert werden und zwar je früher desto besser.
3. Starke Lähmungserscheinungen ohne Schmerzempfindung: kein Steh- und Gehvermögen, keine spontane Gliedmaßenbewegung, Harn-/Kotinkontinenz. Entspricht einer sehr schweren Rückenmarksschädigung („Querschnittslähmung“). Diese Patienten haben eine sehr schlechte Prognose (aber auch nicht völlig aussichtslos), wenn es sich um chronische Fälle handelt. Werden die Hunde operiert, so entwickelt sich nach der Operation manchmal ein Reflexzentrum im Rückenmark, durch welches spontane aber unkoordinierte Bewegungen möglich sind. Einige Hunde können damit auch stehen oder schwankend laufen („spinal walking“). 

In akuten Fällen ohne Schmerzempfindung (bis ca. 12h) ist die Prognose nicht so ungünstig zu stellen, der Patient sollte so rasch wie möglich chirurgisch versorgt werden. Einige Patienten können auch auf Dauer (mehrere Wochen) nicht selbständig Harn und Kot absetzen. Dies ist eine Indikation zum Einschläfern des Tieres.
Was muß man nach der Operation beachten?
Prognose:
Die Prognose ist stets abhängig von der Schwere der Rückenmarksschädigung und der Dauer der bestehenden Symptome.
Allgemein gilt: Je länger die Läsion besteht, desto länger dauert die Erholungsphase nach der Operation (können nur einige Tage, aber auch Wochen oder Monate sein). Je stärker die neurologischen Ausfälle, desto schlechter die Prognose. Nach einer chirurgischen Therapie können die Patienten oft schon einige Tage später wieder schmerzfrei laufen, während die Erholungsphase nach einer konservativen medikamentösen Behandlung immer sehr lange dauert.
Ruhe: wie nach jeder anderen Operation ist es erforderlich, den Patienten für eine gewisse Zeit zu schonen um eine komplikationslose Wundheilung zu erreichen. Dies bedeutet Leinenzwang, sowie das Verbot zu Springen und Treppen zu steigen. Je nach Lokalisation des Vorfalls, Stärke der Ausfälle, Größe des Tieres und Art der Operation kann die Schonungsphase vier bis acht Wochen dauern. Mit der Physiotherapie, die ja eine kontrollierte Bewegungsform darstellt, kann dagegen schon einen Tag nach der Operation begonnen werden.
Komplikationen: Eine der häufigsten postoperativen Komplikationen ist die Bildung eines Seroms. Dabei sammelt sich Wundwasser in der Wundhöhle, die Wunde wird dick, weich und schwabbelig, teilweise tritt Flüssigkeit zwischen den Fäden aus. Manchmal ist es nötig, den Hund noch einmal nachzuoperieren und eine Drainage (=Abfluß) zu legen. Die größte Gefahr besteht, wenn sich das Serom infiziert und daraus ein Abszeß entsteht. Deswegen werden kleine Serome in Ruhe gelassen, bzw. nicht punktiert. Die Hauptursache für die Bildung eines Seroms ist übermäßige Bewegung zu früh nach der Operation! Andere Komplikationen können sein: Verletzung des Rückenmarks oder der austretenden Nerven während der Operation (selten bei erfahrenen Chirurgen), Wundinfektionen, erneute Kompression des Rückenmarks durch Narbenbildung (sehr selten - tritt 2-3 Wochen nach der OP auf), erneuter Vorfall von Material aus der gleichen oder benachbarten Bandscheibe („Rezidiv“ – Häufigkeit in der Literatur ca. 5-10%). Bei Patienten mit chronischen Rückenmarkskompressionen kann die nach der Operation wiedereinsetzende Durchblutung des Rückenmarks zu einer vorübergehenden Verschlechterung führen (maximal 3 Wochen!). Auch deswegen sollten gelähmte Patienten so schnell wie möglich operiert werden.
Brustgeschirr: Ist bei allen Patienten nötig, die an der Halswirbelsäule operiert worden sind, und das lebenslang!
Gewichtsreduktion: Um die Wirbelsäule nicht zusätzlich zu belasten und um Bandscheibenvorfälle der benachbarten Wirbel vorzubeugen, ist bei übergewichtigen Tieren eine Reduktionsdiät zu empfehlen. Auf Wunsch kläre ich Sie sehr gerne über spezielle Diätfutter auf.
Physiotherapie: In der Humanmedizin werden alle neurochirurgisch versorgten Patienten so bald wie möglich in die Anschlußheilbehandlung („Reha“) überwiesen. Beim Tier ist eine vergleichbare Behandlung genauso wichtig, weil die Heilung nachgewiesenermaßen besser und schneller eintritt! Die Physiotherapie können Sie entweder in speziellen Reha-Praxen für Tiere, bei Ihrem Tierarzt/ärztin oder in meiner Praxis durchführen lassen. Wir arbeiten mit einer speziell für Tiere ausgebildeten Physiotherapeutin zusammen. Eventuell können Sie als Besitzer die Nachbehandlung teilweise auch selbst übernehmen. Wenn Sie Ihren Hund oder Katze aus der Praxis abholen, erhalten Sie genaue Instruktionen über die bei Ihrem Tier anzuwendenden Übungen. Die Übungen sollten mindestens fünfmal am Tag durchgeführt werden, pro Trainingseinheit sollten Sie etwa 15 Minuten veranschlagen (oder so oft wie möglich). Ähnlich wie in der Humanmedizin müssen Sie für die Rehabilitation Ihres Hundes mit mehreren Wochen bis Monaten rechnen. Bitte haben Sie Geduld!
Harnblasenmanagement:
Kann Ihr Hund bei Entlassung selbständig keinen Harn absetzen, so müssen Sie die Harnblase dreimal täglich ausdrücken (lassen). Medikamente, die die Harnblasenfunktion verbessern, dürfen nur nach tierärztlicher Rücksprache abgesetzt werden, und nur wenn der Hund auch selber urinieren kann. Bitte haben Sie mehrere Wochen Geduld, bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen!

 

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