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Wie erkennt man einen „aggressionsbereiten Hund?“

Das Nackenfell ist gesträubt, die Rute weit über den Rücken gebogen. Die Ohren werden nach hinten eng an den Kopf gestellt, dabei wird der Kopf leicht gesenkt. Die Mundwinkel werden nach vorne gezogen, Falten entstehen um die Lefzen, die Lippen werden kürzer. Anschliessend werden die Zähne gezeigt. Der gesamte Bewegungsablauf des aggressiv bereiten Hundes ist steif und starr. Begegnet man solchen Hunden sollte man sich ruhig verhalten. Keine fahrigen unkontrollierten Bewegungen machen. Nicht anfassen sondern bestenfalls ignorieren. Die Körperhaltung sollte entspannt sein und der Blick den Hund nicht streifen.

Nachfolgend möchte ich Ihnen verschiedene Formen der Aggression aufzählen. Man sollte dabei die Aggression gegenüber Menschen oder Artgenossen unterscheiden. Ein Hund der Artgenossen gegenüber aggressiv ist, ist es nicht unbedingt Menschen gegenüber.

 

Da ist zum einen die Dominanz Aggression zu nennen. Diese Form der Aggression ist nötig um einen möglichst hohen Rang innerhalb zu erlangen oder abzusichern. Hunde sehen die Menschen bei denen sie leben als ihr Rudel an, aber sie kennen keine Gleichberechtigung, sondern nur unter- oder übergeordnete Rangbeziehungen. Hunde streben danach die Leitposition einzunehmen, wenn man ihnen nicht konsequent deutlich macht, dass der Mensch diese Position einnimmt. (Mehr dazu erfahren Sie unter Dominanz) Hält man sich mehrere Hunde im Haus, dann kommt es auch innerhalb der Hunde zu Rangstreitigkeiten, bis sich eine feste Rangordnung ergeben hat. Ist die Ordnung innerhalb des Hunderudels geklärt, werden Streitigkeiten vom Ranghöheren geklärt. Er benötigt dafür nur ein angedeutetes Imponiergehabe oder Drohgebärden. Eine Form der Selbstverteidigung ist die Angstbedingte Aggression. Der Hund wird erst versuchen der Angst einflössenden Situation zu entkommen. Sollte es ihm nicht gelingen, dann wird er versuchen anzugreifen. Meistens haben diese Hunde negative Erfahrungen gemacht und sich so zu Angstbeissern entwickelt.

 

Territoriale Aggression zeigen Hunde zur Verteidigung des heimischen Lebensraumes gegenüber Artgenossen. Sie wollen damit die Nahrungsgrundlage sichern, oder den Nachwuchs vor Gefahren schützen. Da der Mensch vom Hund als Artgenosse betrachtet wird, verteidigt der Hund sein Territorium vor dem „fremden Menschen“.

Schmerzbedingte Aggression kann man auch als Notwehrreaktion des Hundes sehen. Der Hund möchte seinen Körper vor noch grösseren Schaden bewahren. Wird ein Hund, der sich unter dem Tisch befindet getreten, so kann es vorkommen, dass er mit schnappen reagiert. Tierärzte werden öfters mit dieser Form der Aggression konfrontiert, wenn sie eine schmerzhafte Erkrankung beim Hund diagnostizieren müssen. Auch nach einer Beisserei mit Artgenossen, wobei der Hund verletzt wurde, kann es zu dieser Form der Aggression kommen.

 

Leinenaggression

Eine ganz natürliche Aggression entwickeln Hunde bei der Jagd. Für die Wölfe ist es z. B. lebensnotwendig, dass sie diese Aggression haben und das sie durch die Gegenwart von Beute ausgelöst wird. Je schneller sich die Beute fortbewegt um so wahrscheinlicher erfolgt ein Angriff, besonders das flüchten der Beute führt dazu, dass die Wölfe hinterher laufen und Hetzen. Dieses Verhalten können wir auch bei unseren Hunden beobachten. Ein Hase der ruhig auf einen Fleck sitzt, ist für den Hund meist nicht so interessant, wie ein Hase der flüchtet. Oft beobachten wir bei Hündinnen, die z. B. Welpen haben, eine Form von Aggression gegenüber ihrer Artgenossen. Diese kann sich sowohl auf Rüden wie Hündinnen beziehen. Dieser Verteidigungsinstinkt kann bei scheinträchtigen Hündinnen auftreten. Sie sammeln z. B. Gegenstände und horten diese in ihren Korb. Sie können dann schon mal mit knurren reagieren, wenn ihre Menschen kommen und einen dieser Gegenstände nehmen wollen.

Erlernte Aggression wird durch unterschiedlichste Reize ausgelöst. Je öfter der Reiz ausgelöst wird und mit einem Erfolgserlebnis verbunden ist, um so öfter wird die Aggression auftreten. Leider gibt es diese Form der Aggression sehr häufig, sie kann auf Erziehungsfehler zurück geführt werden. Viele Hundebesitzer bemerken nicht, dass sie Fehler machen oder den Hund noch in seinem Aggressionsverhalten bestärken. Alle von mir aufgeführten Aggressions-Formen können auch gegen über dem Menschen auftreten. Sehr gefährlich wird es, wenn innerhalb des Mensch-Hund-Rudels keine klare Ordnung ist, dann kann es vorkommen, dass der Hund Dominanz Aggressiv reagiert und seinen Besitzer angreift. Auslösend für jagdbedingte Aggression kann z. B. ein Jogger oder Fahrradfahrer sein. Aus Sicht der Betroffenen greift der Hund in vielen Fällen ohne Grund und ohne Vorwarnung an. Wenn man aber meine Auflistung sieht, dann kann man erkennen, dass meist ein Missverständnis in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch vorliegt.

Sehr oft kommt es zu Beissunfällen innerhalb der Familie. Ich möchte hier ein paar Fakten aufführen, die evtl. darauf hinweisen, dass der Hund Dominanz Aggressiv ist. Erstes Anzeichen ist Drohverhalten des Hundes beim Füttern, er besteht auf erhöhte Plätze (Couch, Bett usw.), er reagiert mit knurren und Zähnefletschen wenn man ihn runter scheucht, er rempelt den Menschen an, er knurrt beim Bürsten oder Anleinen, er reagiert mit schnappen, wenn man ihn fixiert, er fordert zum Spiel auf, er legt ständig den Kopf auf das Bein, er hört nicht und verweigert den Gehorsam. Bitte gehen Sie nun vom Gesamtbild aus. Nicht einzeln genommene Eigenarten des Hundes weisen auf Dominanzaggression hin. Sollte der Hund fast alle von mir aufgeführten Punkte aufweisen, dann muss sofort gehandelt werden. Auf der Seite „Dominanz“ habe ich über alles geschrieben.

 

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Sisu von der Seite

Angst
Ängste können schon in der Prägungsphase entstehen. Angst vor lauten Geräuschen, wie Schüsse, Staubsauger oder Feuerwerkskörper können vom Hundehalter unbewusst verstärkt werden. Dieser will den Hund beruhigen, spricht mit ihm, streichelt ihn oder nimmt ihn auf den Arm. Leider fühlt sich der Hund durch diese Reaktion in seinem Verhalten belohnt und wird es fortan immer öfter zeigen. Reagiert der Besitzer selber auf bestimmte Situationen ängstlich, überträgt er diese Ängste auf seinen Hund. Oft zeigen Hunde Angst vor dem Autofahren, vor Betrunkenen oder dunkel gekleideten Menschen, Kindern, Uniformträgern. Gegenstände, wie z. B ein Besen, Schrubber, Handfeger, Wischmopp lösen oft Angst beim Hund aus. Anhand meiner Ausführung kann man erkennen, dass der Grund für das Auftreten der Ängste beim Hund oft auf negative Erfahrungen beruht. Der Hund hat gelernt, sich vor dem Auslöser zu fürchten. Eine weitere Ursache sind mangelnde oder fehlende Gewöhnung. Hunde die nur in dunklen Verschlägen gehalten werden oder aufwachsen, ohne menschliche Kontakte, die werden später wahrscheinlich ängstlich und unsicher auf Menschen reagieren. Welpen die nicht mit verschiedenen Umweltreizen konfrontiert werden, die werden wahrscheinlich irgendwann Ängste vor lauten Geräuschen, fremden Menschen und sogar vor Artgenossen haben. Zu dem gibt es noch Rasse bedingte Ängste.
Woran erkennt man den „ängstlichen Hund?“
Den ängstlichen Hund sollte man schon von weitem entdecken können. Sobald dieser Hund eine für ihn nicht erkennbare Situation erblickt wird sein Gang zögernd. Die Rute ist unter den Bauch gezogen, die Ohren sind eng anliegend nach hinten gedrückt. Seine Augen sind weit geöffnet und wirken ängstlich. Wenn man diesen Hund genau beobachtet, wird man feststellen, dass er jederzeit „fluchtbereit“ wirkt. Dies ist auch an der Reaktion anderer Hunde feststellbar, die nun, wenn nicht rechtzeitig abgerufen, den ängstlichen Hund verfolgen werden. Solche Hunde werden gerne von anderen Hunden gemoppt. Gefährlich wird ein „ängstlicher Hund“, wenn sich ihm keine Rückzugsmöglichkeit bietet. Sie könnten dann aus der Panik heraus um sich beissen. (siehe Angstaggression) Sehr ängstliche Hunde werden meist von ihren Haltern an der Leine geführt. Kommt es für diese Hunde zu einer potenziellen Bedrohung, dann sehen sie keinen Ausweg aus der Situation und beginnen zu knurren, evtl. bellen sie dabei oder schnappen um sich. Die Ohren sind eng angelegt, die Mundwinkel weit nach hinten gezogen, das Maul aufgerissen, dabei die Hinterhand eingeknickt und die Rute tief unter den Bauch gezogen.

 

Oben aufgelistet habe ich Ihnen einige Formen von Aggression genannt. Nun möchte ich Sie informieren, dass es natürlich auch Formen von Aggression gibt, die Sie nur schwer beeinflussen können. Ein Beispiel: Sie holen sich einen Hund aus dem Tierheim oder vom Tierschutz. Der Hund ist bereits zwei Jahre alt oder auch älter. Ihnen wird nur mitgeteilt, dass der Hund gut an der Leine geht und sich auch sonst unauffällig verhält. Sie nehmen den Hund mit nach Hause und ca. nach vier Wochen stellen Sie fest, dass der Hund, den Sie sich ausgesucht haben ein ganz anderes Verhalten an den Tag legt. Auf einmal beginnt er zu knurren, wenn Sie Besuch bekommen. Er geht auf Artgenossen los, er knurrt alles an was sich in Ihrer Nähe befindet, er knurrt auch Sie an, wenn er am Fressen ist und Sie in die Nähe kommen. Ich könnte noch mehr Beispiele nennen. Nun stehen Sie da und fragen sich, was ist mit dem Hund los?

Im Vorfeld möchte ich erwähnen, dass es kaum möglich ist Aggression zu heilen! Ein Hund der aggressiv ist, wird immer wieder eine Tendenz zu aggressiven Reaktionen zeigen, weil aggressive Reaktionen im Laufe der Zeit zur Gewohnheit werden! Geraten aggressive Hunde in Stress, dann reagieren sie, wie es ihren Gewohnheiten entspricht, weil die bewusst agierenden Teile ihres Gehirns blockiert sind. Fast automatisch fallen sie in ihre bisher gezeigten Verhaltensmuster, dies sind Verhaltensmuster in denen sie nicht nachdenken müssen. Hat ein Hund Angst, Wut oder ist er frustriert, greift er auf sein altes Verhalten zurück.

 

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